Vor kurzem kam es beim Besuch des Copy-Shops meines Vertrauens zu einem interessanten Gespräch mit der Verkäuferin. Nach einer Weile des Smalltalks redete die Dame erstaunlich offen darüber, was sie beschäftigen würde: "Ich habe eine Einladung vom Vertriebschef bekommen. Sein Anliegen ist, dass ich einen Vortrag vor den Verkäufern der anderen Filialen halte, um dort zu erklären, warum meine Umsätze so auffallend gestiegen sind - und was ich anders mache als die anderen Verkäufer. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich das angehen soll, schließlich mache ich doch gar nichts Spezielles - was sollte ich da vortragen?"
Ich bat sie darum, mir zu erzählen, in welchen Bereich sie denn ihre Qualifikationen sehen würde.
Für einen Moment fixierte sie verlegen den Boden unter ihren Füßen, dann begann sie zu reden: "Nichts Besonderes, eigentlich. Ich kenne einfach jedes meiner Produkte - sowohl den Preis als auch die Funktionalität und die Besonderheiten. Sobald ein neues Produkt zu mir ins Sortiment kommt, beschäftige ich mich solange damit, bis ich es ebenfalls durchschaue und jedem, der danach fragt, auch erklären kann."
Neugierig, wie ich nun Mal bin, gebe ich mit ihrer Erörterung noch nicht zufrieden, und bohre weiter nach, wie denn ein normales Verkaufsgespräch bei ihr ablaufen würde.
Mittlerweile ist die Dame aufgetaut und plaudert munter weiter: "Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Es gibt nun Mal verschiedene Arten von Kunden. Da ist zum Beispiel der typische Schnäppchenjäger. Der ist immer auf der Suche nach dem billigsten Angebot. Ich biete ihm zuerst das zweitbilligste Produkt an, und nach einer kurze Zeit sage ich ihm, dass es derzeit noch ein ganz spezielles Angebot gibt, das noch günstiger ist. Da greift er eigentlich jedes Mal zu. Dann gibt es noch den wohlhabenden Kunden. Der kommt meistens mit Freunden ins Geschäft. Ihm biete ich das exklusivste Produkt an. Im Normalfall wird das dann auch gleich verkauft…"
Nach einer knappen halben Stunde Erzählung hatten wir locker ausreichend Material für eine "Best Practice"- Präsentation.
Haben auch Sie solche Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen?
P.S.: Inzwischen hat der Inhaber des Unternehmens der Dame aus meiner Erzählung bereits persönlich gratuliert, da eine Umsatzsteigerung von 55% im Vergleich zum Vorjahr - in einer Filiale mit gleichbleibend hoher Frequenz - nicht ganz selbstverständlich ist.
